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Illingen

Planen und Gestalten von Lebenswelten
Beteiligung hat sich in der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Illingen bewährt.

Wir haben Kinderparlamente (KIPA) in allen sechs Illinger Ortsteilen. Je zwei VertreterInnen der Grundschulklassen 1-4 werden von ihren MitschülerInnen in dieses Parlament gewählt. Zusammen mit ihrem Ortsvorsteher, der Schulleitung, der Kinderbeauftragten und dem Jugendpfleger beraten sie aktuelle Kinderfragen. Die Erwachsenen achten auf unmittelbare Erledigung und berichten regelmäßig zu Anfang jeder neuen Sitzung inwieweit die Vorschläge und Anregungen der Kinder umgesetzt werden konnten und wo es hapert. Dabei kann es im Kleinen beispielsweise darum gehen, dass die Straßenlaterne am Spielplatz repariert werden muss, der Schulbus zu spät kommt oder mal wieder eine Picobello-Aktion ansteht.

Um richtige Beteiligungsprojekte mit Kindern ging es bei der Neugestaltung der Schulhöfe an den drei Grundschulstandorten sowie der Überplanung und Erneuerung der Spielanlagen in den Ortsteilen. In diesem und im nächsten Jahr steht die Überplanung und Erweiterung des Schulhofes der Grundschule Uchtelfangen an, rund 20 000 Euro werden dort  in die Erneuerung des Schulhofbelages und die Erweiterung der Spielanlagen gesteckt. Sämtliche Vorschläge der Kinder konnten in die Planungen mit aufgenommen werden, demnächst stehen die Abstimmungen im KIPA wie der damit befassten Gremien an, gebaut wird jetzt und im kommenden Jahr.
Seit 12 Jahren gibt es das KIPA in Welschbach und dementsprechend reibungslos verlaufen heute Beteiligungs- und Planungsprojekte wie z.B. der Bau des neuen Spielplatzes in der Querstraße. Herkömmliche wie alternative Gestaltungsvorschläge wurden unterbreitet, die Kinder hatten sich ganz deutlich für eine barrierefreie, sportliche und naturnahe Variante mit Kletterwand, großem Trampolin und Weideniglus entschieden. Ein schöner Versuch, dem Kinderspielplatz mal ein ganz anderes Gesicht zu geben, wohl wissend, dass wir in anderen Ortsteilen die klassischen Spielgeräte jederzeit finden werden. In jedem Frühjahr gibt es Spielplatzchecks. Dann werden die Kinder für einen Nachmittag zu Spielplatzdetektiven, die mit den Mitarbeitern des Bauhofs zusammen akribisch genau prüfen, was zu reparieren ist und was, sofern der Haushalt das zulässt, ergänzt und neu angeschafft werden könnte.
Ein künftiger Schwerpunkt könnte die Kinderkulturarbeit/-veranstaltungen werden, daran arbeiten wir. Selbst nach einigen Jahren arbeiten nicht alle Kinderparlamente gleichermaßen intensiv, Ziel bleibt aber eine kunterbunte Politik für Kinder in allen Ortsteilen.
Eine ganze Reihe guter Kinderfaschingsveranstaltungen beispielsweise gehen auf das Konto dieser Politik, wir sind regelmäßig bei Picobello mit dabei und haben im letzten Jahr sogar den Preis des Entsorgungsverbandes Saar mit nach Hause nehmen dürfen, unsere Spielanlagen sind attraktiv und auf dem neuesten Stand, Ideen für eine Reihe von Kinderaktionen-, -veranstaltungen und -tagesfahrten unserer Kinderbeauftragten wurden in den Parlamenten geboren und vieles mehr. Zusammen mit der Ortsgruppe des Deutschen Kinderschutzbundes e.V. wurden regelmäßige Selbstbehauptungskurse für Mädchen und Jungen dieser Alterskategorie entwickelt, demnächst startet ein neues Leseprojekt, das wir fördern und unterstützen werden.

In punkto Beteiligung von Jugendlichen, setzen wir auf unterschiedliche Formen. Eine direkte und praxisnahe Beteiligung erfolgt in allen Bau- und Planungsvorhaben von denen die Jugendlichen konkret betroffen sind, so ist das neue Jugendzentrums Illingen entstanden, ein aus Mitteln der EU und des Saarlandes geförderten Beteiligungsprojekt für Jugendliche, das in der Planung wie in der späteren Bauausführung stets auf hoch motivierte junge Leute setzen konnte und kann. Ähnlich, aber etwas kleiner, verlief der Umbau einer ehemaligen Schulhausmeisterwohnung zum offenen Treff Katakombe in Hüttigweiler. Dort haben junge Leute im Rahmen des Projektes: Tatort Dorfmitte die rückwärtige Außenanlage wie den kleinen Vorplatz in Eigenarbeit saniert, auch soll das JUZ einen neuen Anstrich erhalten, es ist fast fertig. Der Neubau wie die aktuelle Umgestaltung der Skateanlagen erfolgte sämtlich mit Hilfe von Jugendhearings, d.h. die Jugendlichen treffen sich häufig und in kleinen überschaubaren Gruppen solange mit den Mitarbeitern des Jugendbüros und entsprechenden Baufachleuten vor Ort bis ihre Vorstellungen stehen, was bei Skatern besonders deshalb von großer Bedeutung ist, weil Erwachsene hier kaum über Insiderwissen verfügen. Im vergangenen Jahr konnten wir die Erneuerung der Anlagen in den Ortsteilen Hüttigweiler, Illingen und Uchtelfangen abschließen.

Jugendforen sind darüber hinaus größer angelegte Jugendversammlungen zu einer bestimmten Thematik an einem zentralen Ort, hier kristallisierte sich die Jugendkulturarbeit als Schwerpunkt dieser Treffen heraus. Es sind teilweise auch eigene Initiativen hieraus entstanden, wie z.B. Ill-Rock-City und TagTeam e.V., die zusammen mit JU, JUSOS, den Jugendzentren und vielen anderen Veranstaltern seit mehr als 10 Jahren dafür sorgen, dass im Kulturforum Illipse und vielen kleineren Spielstätten ein gutes Programm von und für Jugendliche gemacht wird. Eine eigene Spielstätte ist das JUZ Illingen geworden, im dreiwöchigen Rhythmus gibt es dort Konzerte angesagter Jugendbands, mit Blitzkid im November wieder mal ein richtiges Highlight, die Wochenenden dazwischen stehen vielen anderen Veranstaltungen frei. Insgesamt gesehen haben sich diese offenen Formen der Jugendbeteiligung in der Gemeinde Illingen bis heute bewährt.

In allen Ortsteilen gibt es darüber hinaus selbstverwaltete Jugendzentren, insgesamt fünf Offene Treffs und Jugendzentren sowie ein Mächchencafé, auch das ist eine Form der Beteiligung, denn die jungen Leute werden von uns nach JULEICA-Standard geschult und damit befähigt, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen. Die Schulungen in Wustweiler und Uchtelfangen wurden gerade abgeschlossen, eine neue für Illingen beginnt am heutigen Montag. Wöchentlich und zu allen besonderen Anlässen finden sie Gelegenheit sich mit uns in allen schwierigeren Fragen zu beraten. Ein gutes Kultur- und Freizeitprogramm steht  für die Jugendlichen meistens im Vordergrund, oft sind es auch eine ganze Menge von Organisationsarbeiten für größere und kleinere Veranstaltungen, die erledigt werden müssen und zunehmend mehr geht es jungen Leuten um Inhalte, so gab es in der Katakombe z.B. das Interesse, ein regelmäßiges Philosophencafé durch zu führen, im JUZ Illingen hat sich eine Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit der VHS unter dem Titel: Talk im JUZ etabliert, die sich mit Themen wie: Generation Facebook, Der Weltmarkt und Du, Neuere Entwicklungen in der rechtsextremen Szene, Toleranz fördern u.a. Jugendthemen auseinandersetzt.
Das letzte 72-Stunden-Projekt der Illinger Pfadfinder zum Thema: Juden in Illingen, hat mit der Beschriftung des ehemaligen Torbogens der jüdischen Synagoge durch den saarländischen Verein: DenkmalMit!  seine Fortsetzung gefunden, vielleicht gelingt es auch eine neue Skulptur zur Erinnerung an die Synagoge auf den Weg zu bringen. Die Jugendlichen von "Kunst und Kultur an der Kirche" machten sich mit einer ganz besonderen Aktion: 1000 Tücher für Rio in Zusammenarbeit mit  terre des hommes - Hilfe für Kinder in Not zu Beginn des Jahres stark für ökologische Kinderrechte, indem sie 71 Banner für Rio entwarfen, deren Botschaften hier in Illingen im Rahmen einer Ausstellung über der Hauptstraße zu sehen waren und anschließend nach Rio de Janeiro zum  UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung verschifft wurden. Aktuelle Schwerpunkte der Arbeit im ASB-Mädchencafé sind z.B. ein Medienkompetenztraining und ein längere Themenreihe über interkulturelles Lernen. Ein multinationaler Kulturclub zur Förderung der Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist in Zusammenarbeit mit dem Migrationsdienst des Diakonischen Werkes an der Saar im letzten Jahr neu entstanden.

Jugendspielanlagen oder Multifunktionsspielfelder gibt es an vier Standorten, mit den Bolz- und Skateplätzen und der Beach-Volleyball-Anlage im Freibad Sonnenborn sind es insgesamt zehn. Hier könnte in dem einen oder anderen Fall künftig ein weiterer Ausbau mit Unterstellplätzen die Qualität von Treffpunkten Jugendlicher im öffentlichen Raum steigern.  

Das Netzwerk der Jugendbüros im Landkreis Neunkirchen  sowie der Illinger Vereine und Verbände  bietet in allen Ferien und auch übers Jahr eine ganze Reihe von speziellen Veranstaltungen für Kinder Jugendliche, seien es erlebnisreiche Veranstaltungen hier bei uns, Ausflüge, Tagesfahrten, Ferienfreizeiten oder Reisen. Wir haben den Illinger Ferienpass mit rund 70 Einzelveranstaltungen gerade abgeschlossen und fuhren danach noch nach Heidelberg, vier Tage lang nach Köln, waren gerade erst mit allen Illinger JUZZen im Phantasieland und sind demnächst zur diesjährigen Skater-Kult-Tour ins AREA 51 nach Eindhoven unterwegs. Das und die Kinder- und Jugendarbeit in den Vereinen fördert die Gemeinde Illingen mit rund 40 000 Euro im Jahr.

Es geht uns, neben interessanten Erlebnissen in der Freizeit, Spaß und Unterhaltung aber immer auch um Vorbeugung/Prävention gegen Fehlentwicklungen im Jugendalter. Sucht, Gewalt und Radikalismus beispielsweise sind Phänomene, die in der Lebenswirklichkeit junger Menschen längstens angekommen sind. Jährlich setzen wir Präventionsschwerpunkte, in den beiden vergangenen Jahren ging es um die Alltagsdroge Alkohol. Mit Hilfe vieler Bündnispartner im Landkreis Neunkirchen haben wir die HaLT-Kampagne ins Leben gerufen, die gezielt das sog. Komasaufen im öffentlichen Raum ins Visier genommen hat. Bei großen Festveranstaltungen gibt es mittlerweile besondere Sicherheitskonzepte, wir haben Jugendschutzteams, die auf Augenhöhe mit anderen Jugendlichen einen guten Einfluss ausüben, wir waren auf Umzügen und großen Volksfesten, in den Freibädern, mit den Guttemplern zusammen an den Schulen, um immer wieder zu zeigen, volle Pulle leben geht auch ohne Alkohol. Zusammen mit der Juniorenfördergemeinschaft (JFG) Illtal e.V. haben wir kürzlich ein saarländisches Pilotprojekt zum verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol im Fußball begonnen, Mitspielen kickt! war das Motto eines Turniers des saarländischen Fußballverbandes auf dem DFB-Minispielfeld in Hüttigweiler, mit der Aktion Saar-BOB versuchen wir vor allem unsere Fahranfänger davon zu überzeugen, sich nach dem Genuss von Alkohol stets fahren zu lassen und sich nie dem Risiko auszusetzen im angetrunkenen Zustand selbst zu fahren. Unsere Mitternachtsturniere und Soccer-Cups waren ausgebucht, sie zeigten nicht zuletzt, dass alles in allem eine attraktive, vielfältige und unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen entwickelte Freizeit- und Erlebniswelt in unserer Gemeinde sie nachhaltig stärkt und die beste Vorbeugung ist.  

Schließlich bleibt es ein guter Teil unserer täglichen Arbeit, die Jugendlichen auf den Strassen und Plätzen aufzusuchen, Beziehungsarbeit zu leisten und Berater zu sein. Immer häufiger ist unser Jugendbüro zur ersten Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene in Lebenskrisen geworden. Wir beraten, begleiten und vermitteln dann zu FachkollegInnen bis wir die Angelegenheiten auf einem guten Weg sehen.

 

Quelle: DingDeinDorf 2008


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